Dem Böögg den Garaus machen

Dem Böögg den Garaus machen

Umzug der Zünfte, Anzünden des Bööggs und jubelnde Menschen, wenn der mit Knallkörpern gefüllte Kopf explodiert: Das Sechseläuten ist ein jahrhundertealter Zürcher Frühlingsbrauch. Dieses Jahr findet er Corona-bedingt leider nicht statt. Die ideale Gelegenheit also, um auf die Geschichte des Fests zu blicken. Wieso zum Beispiel wird der Böögg um Punkt 6 Uhr abends verbrannt und was haben die Chrätzler-Bueben damit zu tun?


  

Die Zünfte hatten das Sagen

Das Sechseläuten-Fest findet jedes Jahr zwischen Mitte und Ende April statt. Es hat gleich mehrere Ursprünge, die über die Jahrhunderte zu einem einzigen grossen Brauch verschmolzen. Wichtig für die Geschichte des Fests – und für die gesamte Geschichte Zürichs – sind die Zünfte: Vom 14. bis zum 18. Jahrhundert lenkten sie die Geschicke der Stadt und waren die einflussreichste politische und gewerbliche, aber auch militärische Instanz. Seit jeher bilden die Zürcher Zünfte denn auch die Trägerschaft des Sechseläutens: Knapp 4000 Zünftler marschieren oder reiten heute noch in ihren Kostümen und Trachten bis zum Sechseläutenplatz beim Bellevue, um das Fest zu feiern.

Die Zünfte bestimmten über Jahrhunderte auch die Arbeitszeiten der Handwerker, womit wir bei der zweiten Wurzel des Sechseläutens wären: dem Wechsel von der Winter- auf die Sommerarbeitszeit. Während man im Winter aufgrund des spärlichen Lichts nur bis nachmittags um 5 Uhr arbeitete, konnte man im Sommer eine Stunde länger dem Handwerk nachgehen. Bereits 1525 wurde deshalb vom damaligen Stadtrat entschieden, dass nach der Tagundnachtgleiche Ende März die zweitgrösste Glocke des Grossmünsters am späten Nachmittag den Feierabend verkünden soll: Pünktlich um 6 Uhr gab es das «Sechs-Uhr-Läuten», woher auch der Name des Brauchs rührt.

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Früher gab es mehrere Böögge

Der Böögg – heutzutage ein überdimensionaler künstlicher Schneemann, der mit Holzwolle und Knallkörpern gefüllt ist – symbolisiert den Winter. Seine Verbrennung soll den Übergang zur wärmeren Jahreszeit einleiten. Doch dass dieser Feuerbrauch im Zentrum des Sechseläutens steht, war nicht immer so. Bis 1892 wurde der Böögg nämlich jahrhundertelang im damaligen Kratzquartier verbrannt, also etwa zwischen Fraumünsterkirche, Limmat, Bahnhofstrasse und Bürkliplatz. Die Knaben des Quartiers, die sogenannten «Chrätzler-Buebe», entzündeten am Tag der Tagundnachtgleiche ihren Böögg. Oft waren es sogar mehrere, die zuerst auf Karren und Handwagen durchs Quartier gezogen wurden und dann an verschiedenen Orten in Flammen aufgingen. Die Chrätzler-Buebe sollen auch die Ersten gewesen sein, die ihre Böögge mit Feuerwerkskörpern und Knallfröschen gefüllt haben.

Aus den Bräuchen wird ein grosses Fest

1862 hatte Heinrich Cramer, ein Mitglied der Zunft Hard, die Idee, den Umzug der Buben mit dem Sechseläuten zu verbinden: Es entstand der erste Kinderumzug, der auch heute noch ein wichtiger Teil des Fests ist und jeweils am Sonntag vor dem Sechseläuten begangen wird. 1892 wurde dann auch die Verbrennung des Bööggs in das Fest aufgenommen – heute der zentrale Bestandteil des Sechseläutens.

Der Böögg – seit dem 20. Jahrhundert ein fast vier Meter grosser künstlicher Schneemann – wird wie seit jeher pünktlich um 6 Uhr entzündet. Dann umkreisen ihn die Reitergruppen der Zünfte dreimal. Je schneller das Feuer den Böögg erreicht und sein mit allerlei Feuerwerkskörpern gefüllter Kopf explodiert, desto wärmer soll der folgende Sommer werden. Den Jahrhundertsommer von 2003 hat der Böögg ziemlich genau prophezeit: Sein Kopf explodierte nach rekordkurzen 5 Minuten und 42 Sekunden.


 

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