Das Zürisee-Ufer und seine Weine

Das Zürisee-Ufer und seine Weine

Schweizer Weine sind im Ausland nur wenig bekannt. Und das, obwohl das Land eine jahrhundertealte Weintradition hat. Marilen Muff vom Weingut Schwarzenbach erklärt, woran das liegt. Ein Gespräch über Zürcher Weinraritäten und darüber, was es mit der «Keller-WG» auf sich hat.


 

Marilen, das Weingut Schwarzenbach produziert schon in der fünften Generation Weine. Ist Zürich denn eine typische Weinbauregion?

Das kann man so sagen, ja. Wenn man sich alte Zeichnungen oder Stiche von früher anschaut, sieht man, wie viel Wein angebaut wurde. Meilen – wo unser Weingut liegt – war in den Jahren um 1880 sogar die grösste Weinbaugemeinde in der Schweiz.

 

Heute ist der Weinanbau jedoch nicht mehr so präsent. Wieso?

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts ist der Weinanbau in der Region geschwunden. Zum einen, weil ausländische Rebkrankheiten den Weg in die Schweiz gefunden haben. Damit konnten die heimischen Pflanzen nicht umgehen. Zum anderen, weil die Eisenbahn kam und man somit Weine aus dem Ausland auch viel leichter importieren konnte. Ausserdem zügelten immer mehr Menschen in den Grossraum Zürich, was zu neuen Häuserbauten führte. Das Land für Weinbau wurde rar. Heute gibt es keine grossen Rebflächen mit Häusern zwischendrin, sondern unzählige Bauten mit einzelnen Reben zwischendrin.

 

Welches Image haben Schweizer Weine im Ausland?

Es ist schwierig, von einem Image zu sprechen, da die Schweiz einfach viel zu wenig exportiert. Nur knapp ein Prozent der Schweizer Weine landet im Ausland. Wir Schweizer*innen trinken viel mehr Wein, als wir selbst produzieren, und müssen dementsprechend viel importieren. Deshalb sind Schweizer Weine im Ausland so gut wie unbekannt.

 

 

Einzigartig ist die weisse Traube Räuschling, die man fast nur noch am Zürichsee findet.


 

 

Dennoch produziert das Weingut Schwarzenbach seit vielen Jahrzehnten viele verschiedene Weine. Gibt es typische Weinsorten aus der Region?

Traditionell für unsere Region sind sicherlich der Pinot Noir beim Rotwein und der Sylvaner – auch bekannt als Müller-Thurgau – beim Weisswein. Wir selbst produzieren über 25 verschiedene Sorten. Einzigartig ist die weisse Traube Räuschling, die man fast nur noch am Zürichsee findet. Eine wahre Rarität.

 

Was zeichnet den Räuschling aus?

In der Nase ist er sehr dezent und hat eine milde Zitrusaromatik. Es ist ein Wein mit viel Struktur und Mineralität im Gaumen, der vor allem von seiner Säure lebt. Besonders an ihm ist, dass er eine Rebsorte ist, die sehr gut reift. So ein zehnjähriger Räuschling macht extrem viel Spass.

 

Und zu was passt er am besten?

Er ist als leichter Apérowein hervorragend oder als Begleitung zu Fisch, am besten frisch aus dem Zürichsee. Sehr häufig ist es nämlich so, dass Getränke aus der Region auch sehr gut zum Essen aus der Region passen. Beim Räuschling trifft das sicherlich zu.

 

Der Zürichsee speichert Wärme und sorgt im Winter für milderes Klima.


 

 

Hat die Nähe zum See auch einen Einfluss auf die Weine?

Auf jeden Fall. Zum einen reflektiert er im Sommer das Sonnenlicht und sorgt so für noch höhere Temperaturen. Vor allem aber speichert er Wärme und sorgt im Winter für milderes Klima, weshalb wir viel weniger Probleme mit Frost haben.

 

Wann werden die Trauben geerntet?

Das hat sich in den letzten Jahren ein wenig verschoben, da die Erderwärmung auch die Weine beeinflusst. Früher haben wir Weisswein-Sorten etwa Mitte oder Ende September geerntet, heute in der Regel schon Anfang September. Und auch beim Rotwein hat sich alles um knapp zwei Wochen nach vorne verschoben: Rote Trauben ernten wir etwa Ende September, Anfang Oktober – je nachdem, wie heiss der jeweilige Sommer war.

 

Was zeichnet das Weingut Schwarzenbach aus?

Tradition spielt für uns eine ganz wichtige Rolle. Wir wollen das Handwerk des Rebbaus und damit auch ganz besondere Sorten wie den Räuschling erhalten. Ausserdem bevorzugen wir sortenreine Weine, das heisst, dass in unsere Flaschen nur eine Sorte kommt. Cuvées – also der Verschnitt aus verschiedenen Rebsorten – findet man bei uns sehr selten. Zu guter Letzt versuchen wir auch, ganz eng mit anderen Winzer*innen aus der Region zusammenzuarbeiten.

 

Inwiefern?

Wir wollen die Weinbauregion Zürich stärken und bekannt machen. Deshalb arbeiten wir eng mit anderen Bauern zusammen. Drei weitere Winzer stellen zum Beispiel in unserem Keller eigenständig ihre eigenen Weine her. Wir nennen das Konzept liebevoll «Keller-WG». Zusammen organisieren wir auch Events oder nehmen an Veranstaltungen teil und versuchen so, dem Zürcher Wein neues Leben einzuhauchen.

 

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